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Solothurner Zeitung 05.09.07

Postulate aus befreiter Perspektive
Ausstellung  Andrea Gabutti in der Galerie Selz in Perrefitte

Das Gespräch mit Künstlern, die ihren Stil relativ abrupt ändern, kann besonders aufschlussreich sein. Die jüngsten Arbeiten von Andrea Gabutti, der früher mit einer an Martin Disler  erinnernden, wilden und gestischen Malerei auffiel, ohne Erklärungen zu  analysieren, ist ein Wagnis. Dennoch findet die Essenz dieser Kunstwerke den Weg zum Betrachter auch so, können sie verständlich werden, vorausgesetzt, es gelingt, jegliches Schubladendenken beiseitezulegen. Gabutti, den Beat Selz erstmals in seiner jurassischen Galerie art contemporain vorstellt, sei als Mensch gekennzeichnet von einer vornehmen Zurückhaltung. „Er spricht kaum über seine Kunst, hat aber viel zu sagen. Mit seiner Arbeit stellt er die Sinnfrage und jene nach der Orientierung im Leben.“

DIE MINIMALISTISCHE Ästhetik der meisten  Acrylgemälde und Graphitzeichnungen mit zart angedeuteten Bergen, Häusern, Menschen und Tieren nimmt gefangen. Hier der Flügelschlag eines Falken vor neutralem gelbem Hintergrund, da Baumwipfel und Magnolienäste, grau und hellblau umfangen. Mit dieser Motivik tastet sich der Künstler in das alltägliche hinein, das mit dem entsprechenden Fokus metaphorische Bedeutung erlangen kann. Daneben lassen symbolische Arbeiten, Wilhelm Tell, General Guisan, Pistolen und Autos vermuten, dass es hinter der Fassade der Versöhnlichkeit brodeln könnte. In Tapetenmuster integriert Gabutti einen Zwerg, „Che bello“ steht beim Reh, Totenschädel kommen in seinem Werk häufig vor. Erst auf den zweiten Blick ist die Stellvertreterposition solcher Motive im Sinne einer reduzierten Ästhetik erkennbar. Zusätzlich interessieren den Künstler Bild-Wort-Kombinationen.

Der 47-jährige Tessiner lebt zurückgezogen in Genf und in Manno im Tessin. Bereits 1980 studierte er an der Ecole Supérieure d’Art Visuel in Genf. Weil er sich in der Zwischenzeit zusätzlich zum Juristen ausbilden liess, erhielt er sein Diplom erst neun Jahre später. Die Suche nach dem richtigen Weg mit einer einfachen, klaren Kunstsprache lässt sich vor diesem Hintergrund erklären. Gabutti findet persönliche Antworten auf existenzialistische Fragen und schafft sich damit eine eigene Ikonografie, die Rückhalt verspricht. Seine klare Bildsprache gleicht einer Auslegeordnung, mit der er sich über sein tägliches Tun Rechenschaft abzulegen scheint. Gabutti hat den introspektiven, reflektiven Weg gewählt, um mit kodierten Metaphern eine Basis über den Ausdruck seines eigenen Wesens hinaus zu finden.

Pia Zeugin


Le Quotidien Jurassien

Oeuvres d’Andrea Gabutti à la Galerie Selz, à Perrefitte

Jusqu’au 30 septembre, la Galerie Selz art contemporain, à Perrefitte, présente un choix d’œuvres d’Andrea Gabutti. Le public découvrira des dessins et peintures acryliques figurant en un langage fin, fragmentaire, des paysages, personnages, animaux sortis de leur contexte. Le vernissage a lieu ce dimanche 2 décembre dès 16h.

Andrea Gabutti est né en 1961 à Manno, au Tessin. Après une licence en droit, il a obtenu en 1989 un diplôme de l’Ecole supérieure d’art visuel à Genève. Depuis 1987, il a participé à de multiples expositions collectives en Suisse, en France, en Belgique et en Angleterre. Il a présenté des expositions personnelles à partir de 1992, notamment à l’Athénée, à Genève, au Brésil, en Italie, et l’année dernière au Musée cantonal d’art, à Lugano, qui lui a consacré une monographie. Il vit et travaille à Genève et à Manno.

Besoin d’évasion

Andrea Gabutti a travaillé le dessin, l’image numérique, la sculpture en cire, l’installation et, depuis 2000, la peinture. Il explique qu’il est sorti d’une introspection existentielle par laquelle il traitait de problématique telles que l’identité, la sexualité, le corps, la maladie, la mort, pour envisager une réalité plus globale. « Mon passé, les phénomènes culturels avec leurs multiples angles, le rêve, le besoin d’évasion ou de croyances sont, parmi d’autres, les moteurs de mon activité », expliquait-il à l’occasion d’une récente exposition genevoise. (gi)

 

 

 
   
 
     
 
   
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